Botschaft des Präsidenten und der Direktorin

Ein Unternehmen oder einen Verband zu führen, erfordert einen regelmässigen, wenn nicht sogar täglichen Blick in die Zukunft. Seine Strategie planen, neue Tendenzen ausloten, die Bereiche und Techniken auswählen, in die man investieren will, um sich anzupassen, weiterzuentwickeln und innovativ zu sein, oder einfach nur um zu reagieren und sich agil neu zu positionieren, sind das tägliche Los aller Unternehmensleiter.

Man muss zugeben, dass diese Antizipationsarbeit mittlerweile einem Seiltanz gleichkommt. Die Unsicherheit hat inzwischen ein extremes Niveau erreicht, so dass 84% der Unternehmen in der von der HIKF bei ihren Mitgliedern durchgeführten Konjunkturumfrage vom Frühling 2023 ihre Sorgen angesichts der Wirtschaftslage zum Ausdruck brachten. Dies entspricht einem noch nie dagewesenen Anteil, höher sogar als während der Corona-Pandemie.

Seit dieser grösseren Krise hat eine Unwägbarkeit die nächste abgelöst. Unterbrechung der Versorgungsketten, logistische Probleme und Mehrkosten, Rohstoffmangel und Lieferengpässe aller Art, zunehmender Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, Inflation, Erhöhung der Zinssätze, dann der Krieg in der Ukraine und die Krise auf dem Energie- und insbesondere dem Strommarkt. Mit einem Schlag wurde klar, dass die Schweiz auf dieser Front sehr verletzlich ist.

Parallel dazu hat die Pandemie den Wandel in Sachen Digitalisierung beschleunigt. Sie hat auch neue Arbeitsformen hervorgerufen, mit einer weiten Verbreitung von Homeoffice und Videokonferenzen sowie einer zunehmenden Vorliebe der Arbeitnehmer, insbesondere der jüngsten, für Teilzeitarbeit. Ein Phänomen, das den Fachkräftemangel zusätzlich verschärft.

Damit nicht genug: Die auf den internationalen Märkten tätigen Unternehmen beobachten mit Vorsicht die Verschärfung der geopolitischen Spannungen zwischen China und dem Westen. Die Ungeduld und das Unverständnis in Bezug auf das schleppende Vorankommen des Dossiers über die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union wachsen stetig. Vom Forschungsprogramm Horizon Europe ausgeschlossen und im Bereich Medizintechnik inzwischen als Drittstaat betrachtet, kann es sich die Schweiz nicht leisten, sich weiter von ihrem wichtigsten Handelspartner zu isolieren.

Gleichzeitig gehen die Unternehmen den Übergang zur Dekarbonisierung der Wirtschaft entschlossen an, indem sie die Investitionen in saubere Technologien und die Markteinführung von neuen Produkten und Dienstleistungen beschleunigen. An einer anderen Front sehen sie den raschen Aufstieg der Digitaltechnik mit einer künstlichen Intelligenz, die sich in Tätigkeitsbereichen entwickelt, in denen wir sie so schnell nicht erwartet hätten, wie etwa in den kreativen Branchen.

Für die Unternehmen entspricht das tägliche Management den Prognosen weniger denn je. Die Anzahl von Parametern, die aufeinander abgestimmt werden müssen, wird fast jeden Monat grösser.

Dieses komplexe Umfeld hat die Freiburger Unternehmen nicht daran gehindert, sich sehr schnell von der Krise des Jahres 2020 zu erholen. Nach einem starken Aufschwung 2021 war das Jahr 2022 für den Grossteil der Unternehmen der Dienstleistungsbranche gut und sogar hervorragend. In der Industrie und in der Baubranche blieb die Aktivität rege, aber die oben angesprochenen Probleme, insbesondere die steigenden Kosten, haben die Margen zahlreicher Unternehmen geschmälert.

Das laufende Geschäftsjahr lief besser an als erwartet, aber die Unsicherheiten und die bei den meisten unserer Wirtschaftspartner beobachtete Verlangsamung haben auch in unserem Kanton die Dynamik gedämpft. In der Schweiz dürfte das Wachstum nach den Erwartungen der Expertengruppe des Bundes in diesem Jahr nicht mehr als 1% betragen, das heisst nur noch halb so hoch wie 2022 – und das bei einer Inflation, die 2023 im Jahresschnitt noch 2,6% betragen wird (nach +2,8% im Vorjahr). Die Schweiz schneidet zwar besser ab als die Eurozone, wo die Teuerung 2022 über 8% betrug und auch dieses Jahr die Marke von 5% übertreffen wird, aber sie kann sich dem Trend nicht entziehen; einige Branchen wie etwa Bau und Lebensmittel sind zudem stärker betroffen als andere.

Die vor uns liegenden Monate bergen weiterhin Gefahren. Zusätzlich zu den wirtschaftlichen Unsicherheiten müssen sich die Schweizer Unternehmen mit einem Stromversorgungsproblem auseinandersetzen, das auch die kommenden Winter prägen wird. Unser Land wie auch unser Kanton müssen die eigenständige Produktion von erneuerbaren Energien rasch hochfahren. Der zu schleppende Prozess im Hinblick auf eine Wiederaufnahme und Erweiterung unserer bilateralen Beziehungen mit Brüssel – gerade im strategischen Stromsektor – zeigt, dass wir uns womöglich nicht mehr auf unsere Nachbarn stützen können, um uns in kritischen Zeiten zu versorgen. Dieses Szenario könnte den Wohlstand unseres Landes gefährden und ist schlichtweg nicht akzeptabel.

Das allzu oft unübersichtliche wirtschaftliche, energetische und geopolitische Umfeld zwingt unsere Unternehmen dazu, sich anzupassen. Die HIKF ist hier, am Puls der Bedürfnisse ihrer Mitglieder, mehr denn je die Schaltstelle, wo alle Branchen und Aktivitäten zusammenkommen. Die HIKF stützt sich zu diesem Zweck auf eine Strategie, die sich auf sieben Achsen verteilt: 1) Networking, 2) Dienstleistungen, 3) Förderung der Interessen, 4) Lobbying, 5) Ausbildung, 6) Innovation und 7) Nachhaltigkeit.

Die Hauptanlässe wie die Generalversammlung und der Frühjahrs-Aperitif sind in diesem Zusammenhang Meilensteine, die den Rhythmus der kantonalen Wirtschaft bestimmen.

Die Messe START! Forum der Berufe, für welche die HIKF zuhanden des Verbands Forum der Berufe die Organisation übernimmt, ging vom 6. bis 12. Februar 2023 über die Bühne und zog nicht weniger als 22’000 Personen an, darunter 7’700 Schüler. Dieser alle zwei Jahre stattfindende Anlass versammelt unter einem einzigen Dach 80 Aussteller, die 230 Berufe vorstellen – ein Instrument, das heute noch unverzichtbarer ist als bei seiner Gründung im Jahr 2007. Das Autorennen «6 heures de Fribourg» – Modellautos im Massstab 1:10 mit Brennstoffzellenantrieb – verzeichnete mit über 2'000 Besuchern einen grossen Erfolg. Über 200 junge Lehrlinge sowie Schülerinnen und Schüler konnten ihre transversalen Fähigkeiten in den Bereichen Umgang mit Stress, Teamgeist, Technologien und zahlreiche andere Kompetenzen testen.

Parallel dazu hat die HIKF eine Fülle von kleineren Networking-Anlässen organisiert, wie die Friweek, die nach dreijähriger Unterbrechung im Mai wieder ihr Publikum fand, oder den Tag der Familienunternehmen, dessen zweite Ausgabe im November 2022 stattgefunden hat. Von nun an steht zudem in unserer Kammer jederzeit ein Schalter der Familienunternehmen (www.legef.ch) zur Verfügung, mit punktuellen Anlässen.

Die informellen Treffen wie der traditionelle Ski Business Cup im März am Schwarzsee oder der Töffausflug im Juni bleiben wichtig. Die Gourmet-Wanderung, bei welcher sich Mitglieder des Grossen Rates und der HIKF zu entspannten Gesprächen treffen, ermöglichte im mittelalterlichen Städtchen Rue (im Glâne-Bezirk) durchaus überraschende Austausche.

Die zahlreichen vor sich gehenden Veränderungen bedingen einen besonderen Effort in den Bereichen Innovation und Ausbildung. Die HIKF hatte dies mit ihren Anlässen «Keine Barrieren» und ihre Partnerschaft mit Innosquare bereits antizipiert. Vor allem aber hat sie die dritte Ausgabe von Digital Management 4.1 auf die Beine gestellt, die anlässlich des Herbstauftaktes 2022 zum Höhenflug ansetzte. Das auf Innovation ausgerichtete Ausbildungspaket, das in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Architektur (HTA-FR) und weiteren Spezialisten konzipiert wurde, umfasst spezifische Module, die auf die Bedürfnisse der Freiburger Wirtschaft zugeschnitten sind.

Veränderungen zu begleiten erfordert ein Monitoring ihrer Entwicklung. Mit ihren Konjunkturumfragen und ihrem Observatorium der Wirtschaft fühlt die HIKF das ganze Jahr über den Puls ihrer Mitglieder. Speziell im Zusammenhang mit der Herausforderung in Sachen Stromversorgung hat sie im Herbst 2022 eine «Taskforce» ins Leben gerufen, die sich mit dem Risiko einer Strommangellage befasste, den Austausch von Best Practices ermöglichte und vor allem die Behörden über die Bedürfnisse der Unternehmen aufklärte und sie direkt mit Akteuren aus der Branche in Kontakt brachte. Wer Krisen antizipiert, kann sie besser meistern, wenn es nicht möglich ist, sich ihnen zu entziehen.

Was das Thema Recht anbelangt, führt die HIKF ihre Mitglieder durch ein stetig wachsendes Labyrinth von Reglementierungen. Neue Bestimmungen bezüglich Lohngleichheitsanalyse zwischen Männern und Frauen für Unternehmen mit über 100 Beschäftigten, obligatorische Mobilitätspläne ab 50 Mitarbeitern, Inkrafttreten des neuen Datenschutzgesetzes des Bundes in diesem Herbst: Die gesetzlichen Neuregelungen folgen sich auf dem Fuss. Die HIKF bietet Ausbildungen und Beratungen in all diesen Bereichen an.

Was den internationalen Handel betrifft, so hat der gleichnamige Dienst der HIKF sein Volumen von vor der Pandemie wieder erreicht. Auch er bietet Ausbildungen an, die sich an die Exportspezialisten unter unseren Mitgliedern richten.

Wie Sie, liebe Mitglieder, passen wir unsere Dienstleistungen möglichst zeitnah an und werden dies auch in den kommenden Jahren tun. Ende September (vom 27. bis 30. September 2023) organisiert die HIKF FribourgOPEN, den grössten Tag der offenen Tür von Privatunternehmen im Kanton. Eine Gelegenheit, das Know-how, die Berufe und die tausend Facetten der Wirtschaftstätigkeit des Kantons erstrahlen zu lassen. Ein Rendez-vous, das für Resilienz, Optimismus und Zukunftsorientierung steht.

Der Kanton Freiburg verfügt über ein Netz von hoch kompetenten, flexiblen, reaktiven und proaktiven KMU und Grossunternehmen – wir sind überzeugt, dass sie gestärkt aus den laufenden Veränderungen hervorgehen werden.

Chantal Robin, Direktorin

Claude Gremion, Präsident

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