Geschäftsbericht 2022-23
Freiburger Wirtschaft
Der Aufschwung der Geschäftstätigkeit setzte sich 2022 fort – für 2023 wird eine Verlangsamung erwartet
Das Geschäftsjahr 2022 lässt sich für die Freiburger Unternehmen in zwei Feststellungen zusammenfassen: Einerseits fiel die Umsatzentwicklung für eines von zwei Unternehmen solide aus – ähnlich wie 2021, das ein Jahr mit starkem Aufschwung war – und andererseits fielen die Gewinne niedriger aus. Diese Entwicklung lässt sich hauptsächlich mit dem Anstieg der Rohstoff- und Energiepreise und ganz allgemein mit dem generellen Preisanstieg der Verbrauchsmaterialien erklären. Die Inflation in der Schweiz betrug für das gesamte Jahr 2,8%, gegenüber nur 0.6% im Jahr 2021. In der Eurozone stiegen die Preise 2022 um ganze 8,4%, in den USA um 8% und in Grossbritannien um 9,1% an. Viele Freiburger Unternehmen konnten nicht den gesamten Anstieg der Beschaffungskosten auf die Endkunden überwälzen, und dies alles in einem Umfeld mit steigenden Zinssätzen, die ebenfalls auf die Kosten der Unternehmen drücken.
Insgesamt wird das Jahr 2022 trotzdem von fast jedem zweiten Unternehmen als gut bis sehr gut eingestuft – die Zahl liegt damit höher als 2021. Diese sehr positive Einschätzung erfolgt trotz des Krieges in der Ukraine, der die weltweite Energieversorgung aus dem Lot brachte und unverhohlen drohte, im Winter in der Schweiz eine Strommangellage zu bewirken – dies zusätzlich zur bereits erwähnten, beunruhigenden globalen Teuerung. In diesem Umfeld entwickelte sich der Arbeitsmarkt in einem mittlerweile ausgetrockneten Markt weiterhin sehr dynamisch, wobei die Arbeitslosenquote 2022 mit 2,2% auf gesamtschweizerischer Ebene so tief wie seit zwanzig Jahren nicht mehr lag.
Entgegen den Erwartungen, die auf eine verstärkte Verlangsamung im Verlauf des Jahres 2023 setzten, verlief das erste Quartal auf einer weiterhin soliden Basis. Die Unternehmen erwarteten zu diesem Zeitpunkt entweder ein stabiles (45% der HIKF-Mitgliedsunternehmen) oder ein weiter ansteigendes (38%) Geschäftsjahr. Die Verlangsamung – in Sachen Auftragsvolumen – wird somit für das zweite Semester erwartet und dürfte in bestimmten Branchen markanter ausfallen, insbesondere im Detailhandel. Trotz dieses unsicheren Umfelds zeigt die Beschäftigung weiter stark nach oben: Der Anteil von Unternehmen, die den Personalbestand erhöhen wollen (26%), ist deutlich höher als jener von Unternehmen, die sich gezwungen sehen, Personal abzubauen (6%).
Die Unsicherheit erreicht neue Höhen
Es ist ein altbekannter Spruch: Die Wirtschaft verabscheut die Unsicherheit. Die Entwicklung der allgemeinen Wirtschaftslage galt anfangs 2023 als grösste Sorge, die von allen Sektoren und sämtlichen Unternehmensarten geteilt wird. Für 84% der HIKF-Mitglieder gehört die wirtschaftliche Unsicherheit zu den Top 3 ihrer Sorgen, gegenüber 57% im vergangenen Jahr. Und schon damals stand dieses Problem an der Spitze der Bedenken.
Das Ausmass der Unvorhersehbarkeit liegt noch höher als jenes, das während der Pandemie gemessen wurde. Dies ist auf ein rasches Aufeinanderfolgen von Krisen und Umwälzungen zurückzuführen, darunter der Ukrainekrieg und ganz allgemein die zunehmenden geopolitischen Risiken, die Unterbrechungen der Versorgungsketten, das Risiko einer Strommangellage, die Inflation und der Zinsanstieg.
Die Schwierigkeit, Personal zu finden, steht auf Platz zwei des Sorgenbarometers der Unternehmen (44 %), gefolgt von den Rohstoffpreisen. Es ist zu erwähnen, dass das letztgenannte Problem vor allem von Unternehmen aus der Industrie und der Baubranche angeführt wird (50% gegenüber nur 23% bei den Dienstleistern). Die Entspannung in diesem Bereich macht sich bereits bemerkbar, lag doch die Preisexplosion bei Rohstoffen im Jahr 2022 bei Unternehmen aus dem Sekundärsektor noch auf Platz eins der Besorgnisse. Bei den Dienstleistungsunternehmen liegt die Suche nach neuen Kunden auf dem dritten Platz der Sorgen (29%), vor der Konkurrenz auf Platz vier (26%) und der Überreglementierung auf Platz fünf (25%). Letztere wird auch von 19% der Unternehmen aus dem Sekundärsektor erwähnt.
Die Rekrutierungsprobleme werden länger bestehen
Der Mangel an qualifiziertem Personal ist ein Phänomen, das sich seit einigen Jahren akzentuiert. Während bis vor Kurzem nur bestimmte Bereiche wie etwa die Informatik, das Logistikmanagement und einige technische Industrieberufe betroffen waren, hat er nun ein völlig neues Ausmass angenommen und betrifft praktisch alle Branchen. Zwei Drittel der Unternehmen geben nun an, unter Rekrutierungsschwierigkeiten zu leiden, gegenüber nur 47% vor zwei Jahren. In der Baubranche (Bauhaupt- und -nebengewerbe zusammengenommen) sowie in der Industrie steigt dieser Anteil sogar auf 79%, zeigen die Zahlen aus zusätzlichen Fragen, die im Rahmen der HIKF-Konjunkturumfrage vom Frühling 2023 gestellt wurden. Im Frühjahr 2021 beklagten sich «nur» 58% der Unternehmen im Sekundärsektor über den Arbeitskräftemangel.
Es gibt verschiedene Erklärungen für dieses Phänomen, aber die demografische Entwicklung spielt eine entscheidende Rolle. Seit einigen Jahren erreichen mehr berufstätige Personen das Rentenalter, als junge Berufsleute in den Arbeitsmarkt einsteigen. Parallel dazu wächst der Anteil von Berufstätigen, die es vorziehen, Teilzeit zu arbeiten. Ein Phänomen, das nichts mit den beiden vorgenannten zu tun hat, aber doch seine Auswirkungen zeigt: Die Coronavirus-Pandemie und die Massnahmen, welche damals in Sektoren ergriffen wurden, die plötzlich als «nicht essenziell» deklariert wurden, haben zahlreiche Angestellte aus diesen Branchen – Restauration, Hotellerie, Eventmanagement – dazu veranlasst, sich beruflich umzuorientieren.
Welche Profile fehlen bei Unternehmen am meisten? Die Ergebnisse der HIKF-Umfrage zeigen, dass es vor allem Personen mit einem EFZ sind, die am dringendsten gesucht werden. Aber auch der Mangel an Absolventen von Hochschulen (Fachhochschulen und Universitäten) ist beträchtlich. Einzig Personen ohne spezifische Ausbildung sind auf dem Arbeitsmarkt leichter zu finden.
Auch wenn es keine Patentlösung gibt, um die Situation in Sachen Fachkräftemangel zu verbessern, gibt es eine, die unter den Freiburger Arbeitgebern einen breiten Konsens findet: Die Verbesserung der Berufsberatung und die Aufwertung bestimmter Ausbildungsgänge. 60% der HIKF-Mitgliedsunternehmen, die an der Umfrage teilgenommen haben, zitieren diese Massnahme, weit vor der Verstärkung der Weiterbildung (32%), der finanziellen Aufwertung bestimmter Berufe (30%) oder auch der Massnahmen zur Förderung der Anstellung einheimischer Arbeitskräfte (28%).
Ein beträchtlicher Teil der Unternehmen hat bereits interne Vorkehrungen getroffen, um ihr Personal stärker zu binden. Die zwei häufigsten Massnahmen sind die Flexibilisierung der Arbeitszeit (66%) inklusive Möglichkeit für Homeoffice, und die Unterstützung für eine bessere Work-/Life-Balance (57%). Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbeziehungen zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden sowie die Möglichkeit, Vorschläge für die eigene Weiterentwicklung einzubringen, werden von ca. einem von zwei Unternehmen genannt.
Diese eingeführten Vorkehrungen entsprechen zum Teil den Erwartungen der Kandidaten, die sich bei Freiburger Unternehmen bewerben. Gemäss den Ergebnissen der Umfrage erkundigen sich Personen in Vorstellungsgesprächen in zwei Drittel der Fälle nach den Lohnbedingungen und der Möglichkeit, die Arbeitszeiten flexibel zu gestalten. Fragen nach Möglichkeiten für Teilzeitarbeit werden in einem von zwei Fällen gestellt.
Die Daten der Konjunkturumfrage vom Frühling 2023 wurden vom 20. Februar bis 20. März 2023 mittels eines Fragebogens erhoben, der den HIKF-Mitgliedsunternehmen zugestellt wurde. 459 Unternehmen haben geantwortet, was einer Rücklaufquote von 47% entspricht. Diese Unternehmen beschäftigen 24'564 Mitarbeitende, was einem von fünf Arbeitsplätzen im Privatsektor entspricht. In der Industrie waren 16'419 Personen vertreten, was 43% der Gesamtzahl entspricht.